12. Mai 2026
Kärntens erste alpentaugliche Wasserstoffbusflotte am Start
HEIDENHEIM, DEUTSCHLAND. Die Elektrifizierung des ÖPNV in topografisch anspruchsvollem Gelände gilt als eine der zentralen Herausforderungen der Mobilitätswende. Rein batterieelektrische Systeme stoßen beispielsweise im alpinen Verkehr oft an systemische Grenzen. Als nachhaltige Alternative bietet sich jedoch die Brennstoffzellentechnologie in Verbindung mit leistungsfähigen elektrischen Antrieben an – sofern die Antriebskomponenten auf die spezifischen dynamischen Anforderungen alpiner Streckenprofile ausgelegt sind.
Mit der am 6. Mai 2026 offiziell in Betrieb genommenen Kärntner Wasserstoffbusflotte der Österreichischen Postbus AG wird ein solches System nun erstmals flächendeckend unter Realbetriebsbedingungen eingesetzt. Insgesamt 35 alpentaugliche Niederflur-Überlandbusse vom Typ MCV C127 FC LE (12 m, Fuel Cell, Low Entry) übernehmen in Zukunft den Liniendienst in der Wasserstoff-Modellregion Villach – und markieren damit zugleich den Einstieg des innovativen elektrischen Antriebssystems VEDS 1.0 von Driventic in den kommerziellen Fahrgastbetrieb in Österreich.
Barrierefreies Fahrzeugkonzept und vollintegrierte Systemarchitektur
Der MCV C127 FC LE ist ein zweiachsiger Niederflurbus der 12-Meter-Klasse, der als Fuel-Cell-Low-Entry-Variante konzipiert wurde. Das Low-Entry-Konzept kombiniert den barrierefreien Niederfluranteil im vorderen Fahrzeugbereich mit einem erhöhten Heckbereich, in dem die wasserstoffführenden Hochdruckspeicher sowie das Brennstoffzellenaggregat untergebracht sind. Diese Raumaufteilung erlaubt eine funktionale Trennung zwischen Fahrgastraum und Energieversorgungseinheit. Und das bei gleichzeitig optimierter Achslastverteilung.
Die Produktion des elektrischen Antriebssystems VEDS erfolgt großteils am Entwicklungs- und Fertigungsstandort von Driventic in St. Georgen in Niederösterreich. Für den heimischen Markt und den Betreiber Österreichische Postbus AG ist dies von besonderer Bedeutung: Zum einen beinhalten die Fahrzeuge österreichische Wertschöpfung, zum anderen ist optimaler Service vor Ort gegeben. Der Antrieb besteht aus einem HD Motor mit 410kW maximaler Leistung, der ein Drehmoment von bis zu 3100 Nm bereitstellt. Die Antriebssteuerung übernimmt der VEDS 1.0 Traktionsstromrichter mit integriertem Bremssteller, somit ist die Verwendung eines am Dach verbauten Bremswiderstands möglich. Die Kommunikation mit der Fahrzeugsteuerung erfolgt durch die Drive Management Unit (DMU), die über eine zentrale elektrische Schnittstelle (CEI), die auch als Service-Interface dient, mit dem Gesamtsystem verbunden ist.
Erfolgreiche Höhentests auf herausfordernder Referenzstrecke
Die Bereitstellung von bis zu 3.100 Nm ist für den anspruchsvollen Fahrbetrieb von besonderer Relevanz – ein systemimmanenter Vorteil, der sich in alpinen Streckenabschnitten mit Steigungen über 10 % direkt auf das Anfahrverhalten und die Fahrplaneinhaltung auswirkt. Das bestätigten nicht zuletzt die erfolgreichen Höhentests vor der kommerziellen Inbetriebnahme, denen ein Prototyp des Fahrzeugs im November 2025 im österreichischen Alpenraum unterzogen wurde.
Als topografisch besonders herausfordernde Referenzstrecke diente die Route Kematen in Tirol – Kühtai (2.017 m ü. NN) – Ötztal Bahnhof. Die Strecke wurde mehrfach in beiden Fahrtrichtungen absolviert, was sowohl Bergauffahrten mit langanhaltenden Hochlastphasen als auch Talfahrten mit ausgeprägten Bremsregenerationsphasen abdeckte.
Größter Busbetreiber des Landes als Projektpartner
Parallel zur Fahrzeuginbetriebnahme am 6. Mai 2026 wurde in der Wasserstoff-Modellregion Villach die erste Wasserstofftankstelle Kärntens eröffnet. Das Versorgungskonzept sieht laut Projektbeschreibung in Zukunft eine intelligente Tankstelleninfrastruktur vor, die auf die spezifischen Betankungsprofile des Busbetriebs ausgelegt ist.
Als Projektpartner und größter Busbetreiber des Landes verfügt die Österreichische Postbus AG über eine landesweite Netzpräsenz und hohe Breitenwirkung. „Wir freuen uns sehr, dass unser langjähriger Kunde Österreichische Postbus AG mit den MCV-Bussen erstmalig auch unsere elektrischen Antriebssysteme im Einsatz hat. Der hohe österreichische Wertschöpfungsanteil der eingesetzten Technologie erfüllt uns mit Stolz und unterstreicht unseren Anspruch, die Dekarbonisierung des Verkehrs nachhaltig mitzugestalten“, sagt Alfred Gmeiner-Ghali, Head of Sales & Service bei Driventic Österreich.
Über MCV
Manufacturing Commercial Vehicles (MCV) wurde 1995 von Ing. Karim Ghabbour gegründet. Ziel war und ist es, den globalen Kunden Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die innovativ, zuverlässig, hochwertig und kosteneffektiv sind. Das macht MCV zum führenden Bushersteller im Nahen Osten und Afrika. MCV-Busse sind auf den Straßen Europas, Australiens, des asiatisch-pazifischen Raums, Afrikas und der Golfregion im Einsatz. Das Unternehmen fertigt alle Arten von Bussen (Reisebusse, Stadtbusse, Überlandbusse, Minibusse und Busse für spezielle Einsatzbedingungen), die gemäß den Normen und Anforderungen des jeweiligen Marktes hergestellt werden.
Kontakt
Sebastian Busch
Vice President Brand & Communications
Tel +49 7321 746 2052
Highlights auf einen Blick
Offizielle Inbetriebnahme des Kärntner Wasserstoffbusnetzes der Österreichischen Postbus AG am 6. Mai 2026.
Start mit insgesamt 35 alpentauglichen Niederflur-Überlandbussen vom Typ MCV C127 FC LE.
Nach erfolgreichen Höhentests alle angetrieben vom innovativen elektrischen Antriebssystem VEDS 1.0 von Driventic.
Niederflur-Überlandbus Typ MCV C127 FC LE der Österreichischen Postbus AG, ausgestattet mit elektrischem Antriebssystem VEDS 1.0 von Driventic.